Vielleicht, wahrscheinlich, nein ganz sicher das schönste Weinfest der Welt fand letztes Wochenende in Panzano in Chianti statt. Was macht dieses alljährliche Aufeinandertreffen von Top-Winzern des Chianti Classico und deren Freunden so besonders und einzigartig? 

Alle, die mich ein wenig kennen, wissen, wenn ich auf Vino al Vino angesprochen werde, beginnen meine Augen zu strahlen. Im Jahr 2004 bin ich während meines Aufenthalts in Panzano in Chianti mehr oder weniger über dieses Fest gestolpert. Und seitdem versuche ich, jedes Jahr dabei zu sein. Es ist nicht immer gelungen, aber immerhin war dieses Jahr bereits mein 12jähriges Jubiläum.

Vino al Vino kurz erklärt.

Dieses kleine, aber sehr feine Weinfest findet alljährlich am dritten Wochenende im September, von Donnerstag bis Sonntag, auf der Piazza von Panzano in Chianti statt. Den Eintritt  (EUR 20,–) für dieses Fest zahlt man, indem man ein Vino-al-Vino-Glas direkt auf der Piazza kauft. Mit diesem Glas kann man über alle vier Tage die Weine der Winzer der Vereinigung Unione di Viticoltori di Panzano verkosten. Dieses Jahr waren das immerhin zwanzig Winzer. Und da sind sehr namhafte und ausgezeichnete Betriebe mit ihren Weinen dabei (siehe unten die Mitglieder der Unione Viticoltori di Panzano).

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Foto: Ralf Kahmann

Samstag und Sonntag Nachmittag darf auch die Dorfjugend zur Unterhaltung der Gäste auf den Platz. Die jungen Damen und Herren zwischen geschätzt sechs und sechzehn Jahren präsentieren sich gemeinsam mit der örtlichen Blasmusikkapelle und tanzen dazu ganz nach dem Vorbild amerikanischer Cheerleader. Rundherum strahlende Mütter, Väter und Gäste von Vino al Vino. Später gibt’s dann noch Livemusik auf der Piazza. Und was gibt es Schöneres, wenn das Wetter mitspielt, als das eine oder andere Glas Chianti Classico mit Freunden zu probieren, im Hintergrund die Jazzmusik, in der Mitte der plätschernde Brunnen. Über all dem ein Gemurmel über den Geschmack der einzelnen Weine, dort und da hört man ein „Ciaoooooo“ und das freudige Schnalzen eines Wangenkusses. Und nicht zu vergessen: Kulinarisch sorgen die verschiedenen Schafskäse von Giovanni für einen Hochgenuss und Luca, mit seinen einzigartigen und humorvollen Malereien zum Thema Leben im und mit Chianti Classico, sorgt für einen weiteren künstlerischen Part. www.lucacarfagna.com

Novità 2017 – Ein Rückblick für den Ausblick

Für Journalisten, Sommeliers und Importeure gab es dieses Jahr erstmals einen Side-Event: Eine Retrospektive der Jahrgänge 2007 und 1997. Die meisten der Winzer hatten einen ihrer Weine aus diesen beiden Jahrgängen präsentiert. Zu finden und zu verkosten waren zum Beispiel Flaccianello von Fontodi 2007 und 1997, Petresco von Le Cinciole 2007 (aus der Magnum) und 1997, Sammarco 2007 und 1997 von Castello dei Rampolla. Zugegeben, das war nicht wirklich überraschend, dass sich diese Weine in Bestform präsentiert haben, mehr noch, sie hätten zum Teil noch gerne ein wenig Zeit und Ruhe in der Flasche verbringen können (wenn es denn noch welche gäbe).

Aber da waren einige sehr große und durchaus positive Überraschungen zu finden. Hier einige angeführt: Immer schön der 2007er und 1997er Chianti Classico Riserva von der Fattoria di Rignana. Man beachte das Etikett des 1997er: Ich bin über diesen Wechsel hin zum aktuellen Label nicht unglücklich. Sehr überzeugend waren die beiden Jahrgänge des Chianti Classico Riserva von Le Fonti: fein, ausgewogen, terroirbezogen und lebendig. Sehr überraschend auch der Chianti Classico Riserva 1997 von Vignole, knackig und total lebendig. Sehr schön der Chianti Classico 2007 von Candialle aus der Magnum und der Chianti Classico Riserva Il Margone 2007 von Il Molino di Grace.

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Florian Kempinger (Sommelier Restaurant Ikarus, Salzburg) und Nina in Chianti

Und last but not least: Don Vincenzo Chianti Classico Riserva von Casaloste 2007 und 1997. Das war mein letzter Verkostungsschluck und er ist mir sehr stark in Erinnerung geblieben. Sehr elegant, ausgewogen, noch immer lebendig und ausdrucksstark. Am schönsten zu sehen waren allerdings die Augen von Giovanni d’Orsi, dem Eigentümer und zugleich Önologen von Casaloste, als er seinen 1997er probierte: Da war es wieder, das Strahlen in den Augen!

Viva Vino al Vino 2018!

Die Mitglieder der Unione di Viticoltori di Panzano
Candialle
Casaloste
Castello dei Rampolla
Cennatoio
Fattoria La Quercia
Fontodi
Il Molino di Grace
Il Palagio
L’Orcio Ca‘ di Pesa
La Massa
Le Cinciole
Le Fonti
Monte Bernardi
Panzanello
Renzo Marinai
Rignana
Tenuta degli Dei
Vecchie Terre di Montefili
Vignole
Villa Cafaggio